Есей Олександра Коротка “Hölderlin”

29 серпня Олександр Коротко завершив роботу над есеєм, який присвячено одному з класиків німецького романтизму – неперевершеному поетові Ф. Ґельдерліну.

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Німецькою мовою есей О. Коротка переклав знаний германіст, професор П. Рихло.

Рихло

Більше про П. Рихла дивіться тут: https://www.pen.org.ua/team/ryhlo-petro/

Редакція журналу “Всесвіт” висловлює слова вдячності Петрові Рихлу за допомогу з перекладом есею.

Пропонуємо читачам есей Олександра Коротка в німецькому перекладі професора Петра Рихла:

Friedrich Hölderlin

 DER TURM

Ein Essay

 

Die Dichter leben nicht auf einer Sonnenseite. Sie schreiben insgeheim ihr Leben um, Seite um Seite, indem sie ihre Lippen nervig anbeißen, die in die nächtliche Wirklichkeit als Halbdeutung, als Geste, als Jenseitswahrheit des Himmels, als seine Kehrseite eindringen, wo eine Reiterarmee von Träumen durch die Welt galoppiert und dort eine Kohorte der in der Welt verstreuten Schicksale findet, deren Leben nur ein Widerhall von poetischen Zeilen, eine Spur von Zugvögeln ist, die unter dem Flügel einer lautlosen Phrase leben, vom Schöpfer niedergeschrieben.

Die schöpferische Entfaltung Deiner Ideen war so grandios, dass es für sie keinen Platz auf Erden gab, und so stiegen sie frühzeitig in den Himmel auf, Dich haben sie jedoch vergessen in dieser sündigen Welt, und Menschen, die im Augenblick leben – unter ihnen auch Goethe – waren nicht imstande, die Gipfel zu erblicken und einzuschätzen, die Du im Wort erklommen hast, wo die Gewänder Deiner unsterblichen Verse nie abgetragen wurden – und Menschen, ach Menschen, sie konnten nur den Boden ihrer eigenen Siege sehen – nicht wirklichen, nur illusorischen.

Du warst nicht einsam in Deinem sündenlosen Wahnsinn, die traurigsten der Wolken suchten Deine Freundschaft, gleich den Tauben flogen sie zu Deiner Schwelle, und Du hast sie mit Deinen Träumen von der Hand gefüttert, und sie glaubten, dass der Mensch sich nicht nur mit dem Brot allein sättigen kann.

Frage nicht, wie lang der Lebensdauer auf Erden ist, niemand gibt Dir eine Antwort darauf, – wenn wir nicht da sind, wie auch Du in Deinem Leben, dann gibt‘s nur Hellas und Diotima.

Die Einsamkeit hat ein Privileg auf den gekrönten Schmerz, auf die Macht über die menschenleere und majestätische Stille, hier kann man nun selber sein und wissen, dass in Deinem Herzen sich ein Liebesarchipel findet, gleich Erinnerungsinseln, wo die Seele Deiner Hoffnungen so luftig atmen kann.

Und schließlich noch ein Wort von Denkmälern und Sockeln, und nie vom Turm. Es gab ja auch den geschlossenen Turm, er war wie ein senkrechtes Glück oder wie eine Verbannung ins Unbewusste, wo Du Jahrzehnte lang gewohnt und den gefangenen Engeln gedient, und statt Gehilfe Deine Phantasie gerufen hast, und Du konntest nie die Freiheitsluft genug und voll in Dich einatmen, solang Dein unbeugsamer Geist über Hellas, die ewige, schwebte.

Alexander Korotko, den 29. August 2020

Дмитро Дроздовський - головний редактор журналу «Всесвіт», науковий співробітник відділу західних і слов'янських літератур Інституту літератури ім. Т. Г. Шевченка НАН України, заслужений працівник культури України. У журналі «Всесвіт» з 2006 року.

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